30. Mai 1987: Die letzte Straßenbahn fährt durchs Tal

Geschmückte Straßenbahnen am letzten Fahrtag

Festlich geschmückt drehten diese beiden Bahnen am letzten Tag ihre Runden. Foto: Michael Schad

Am 30. Mai 1987 ging ein Kapitel Wuppertaler Stadtgeschichte zu Ende. Nach 111 Jahren fuhr zum letzten Mal eine Straßenbahn durch das Tal. Begonnen hatte die Geschichte des schienengebundenen Nahverkehrs im Jahre 1876 mit der Pferdebahn. Die Zeit der Industrialisierung und die damalige politische Unabhängigkeit der heutigen Stadtteile sowie der Unternehmergeist um die Jahrhundertwende führten dazu, dass es zunächst mehrere Gesellschaften gab.

In seiner größten Ausprägung  reichte das Wuppertaler Straßenbahnnetz von Wülfrath bis Schwelm in der West-Ost-Achse. Noch weitere Distanzen ergaben sich in der Nord-Süd-Ausdehnung  von (Essen-)Werden bzw. Hattingen bis Solingen-Krahenhöhe.

Die Zerstörungen in der Stadt während des Zweiten Weltkrieges machten auch vor der Straßenbahn nicht halt. Zahlreiche Fahrzeuge und auch wichtige Betriebseinrichtungen wurden bei den verschiedenen Bombenangriffen auf Wuppertal zerstört. Doch auch nach dem Krieg ging es zunächst mit beiden Systemen in der Stadt weiter. Erst nach und nach verschwand die Straßenbahn aus dem Stadtbild. Zu groß wären die Kosten für Neuanschaffungen von Fahrzeugen  und Investitionen in die technische Infrastruktur gewesen. Eine Schwäche des großen Schienennetzes war im Rückblick sicherlich auch, dass zwei verschiedene Spurweiten zum Einsatz kamen. Die Talbahn und davon abzweigend das Barmer Netz hatten die auch bei der Eisenbahn übliche Spurweite von 1.435 mm, das Elberfelder Netz  basierte auf der 1.000 mm-Spur. Dies hatte zur Folge, dass die Fahrzeuge nur innerhalb ihres jeweiligen Netzes verkehren konnten. Auch die Linienführung hatte sich dieser Vorgabe unterzuordnen. All dies spielt beim Bus keine Rolle, so dass er als die kostengünstigere Alternative gewählt wurde..

Inzwischen zeugt nur noch wenig von der mehr als hundertjährigen Geschichte der Straßenbahn in der Stadt. Auf der B7 sind Grünflächen entstanden, wo ehemals die Gleise lagen. Zum Teil dienen die Flächen als Busspur, wegen der dafür benötigten Fahrbahnbreiten meist jedoch nur einspurig.

Eine Strecke jedoch gibt es heute noch. Ein Teil der früheren Linie 5, die von Elberfeld aus nach Solingen fuhr, ist erhalten. Der Verein Bergischen Museumbahnen betreibt dort den kleinsten Straßenbahnbetrieb Deutschlands. Regelmäßig an den zweiten und vierten Wocheneden von April bis Oktober ist dort Fahrbetrieb. Zum Einsatz kommen verschiedene Fahrzeuge aus Wuppertal und Umgebung. Das Museum selbst ist an jedem Wochenende geöffnet. Dann kann neben den zum Teil fahrbereiten, zum Teil auf Restaurierung wartenden Meterspurwagen auch die in Wuppertal verbliebene normalspurige Straßenbahn besichtigt werden. Und auch zwei weitere Straßenbahnen aus Wuppertal haben bis in das 21. Jahrhundert überlebt: der ehemalige Schienenschleifwagen ist im Sporvejsmuseet Skjoldenæsholm nahe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Ein Gelenkwagen, wie er zuletzt auf den Linien in der Talachse unterwegs war, steht im Tramway Museum Graz.

Ein Neuanfang in Sachen Straßenbahn, wie er in anderen europäischen Städten inzwischen begonnen wurde, dürfte angesichts der leeren öffentlichen Kassen auf längere Sicht für Wuppertal nicht in Frage kommen.


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