Bürgerinformation zum Designer Outlet Center Remscheid-Lennep

_MG_9600_(c)MichaelSchadAm Tag vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, in dem die Weichen für die Offenlegung der Pläne zum Designer Outlet Center (DOC) in Remscheid-Lennep gestellt werden sollen, hat die Stadt ihre Bürger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Und die sind zahlreich gekommen. Bereits die Erläuterung der Pläne im Foyer zog die Menschen an, eine dort gezeigte Verkehrssimulation stieß auf reges Interesse.

Dass Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz ein Verfechter des DOC ist stellte er unmissverständlich klar. Für Remscheid bietet sich aus seiner Sicht die große Chance, eine bedeutende Anzahl an Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor anzusiedeln. Dadurch wird Menschen die Möglichkeit geboten, Berufe in Remscheid auszuüben, die noch nicht oder in nur begrenzter Zahl angeboten werden. Ferner möchte er die Chance nutzen, auf diesem Weg BesucherInnen nach Remscheid zu holen, die auch aus Sicht der Tourismuswirtschaft Potenzial  bieten. Remscheid betritt nach seiner Aussage mit dem DOC in der geplanten Form Neuland, weil es eben nicht wie andere derartige Zentren auf der grünen Wiese entstehen, sondern in die Stadt integriert werden soll. Für die erforderlich werdenden Ersatzneubauten der Sportstätten sieht er die Signale auf „grün“, nachdem es inzwischen entsprechende Gutachten zum Thema Lärm gibt. und noch etwas kündigt der OB den Bürgern an: Weil der Mai, der als Zeitraum der Offenlegung nötig sei, viele Feiertage habe, werden die Pläne nicht nur vier sondern fünf Wochen ausgelegt. JedeR BürgerIn soll die Gelegenheit haben und nutzen, sie einzusehen und erforderlichenfalls dazu Stellung zu nehmen.
Dazu rief auch die scheidenende Stadtplanerin Sigrid Burkhart auf. Sie machte klar, dass mit der Offenlegung der Pläne im Mai endgültig der Zeitpunkt gekommen sei, Bedenken auch schriftlich zu formulieren.

_MG_9588_(c)MichaelSchadHerr Dr. Weiser vom Ingenieurbüro Brilon – Bondzio – Weiser stellte die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung vor. Ausgehend von der Tatsache, dass schon heute Lennep eine große Verkehrsbelastung ertragen müsse, seien die Auswirkungen des DOC untersucht worden. Dabei sei man von einer allgemeinen Steigerung des Verkehrs bis zum Jahr 2025 um 5 Prozent für PKW und von 20 Prozent bei LKW ausgegangen. Hinzu kommen die Kunden des DOC, die in der Spitze am Samstag mit 18.000 beziffert werden. Man habe 2,7 Personen je Fahrzeug zugrunde geelgt. Desweiteren sei zu erwarten, dass 95 % über die Autobahn an- und abreisen werden, davon wiederum 2/3 aus bzw. nach Richtung Norden. Zum Parken werden in drei Bereichen ca. 2450 Stellplätze vorgesehen.  Der Verkehr der heute durch die Wupperstraße fährt, soll durch die Straße „Am Stadion“ geleitet werden. Der Ausbau von Kreuzungen, der Autobahnanschlussstelle Remscheid-Lennep an der Autobahn A1 und eine Verbesserung der Ampelschaltungen sollen für die nötige Abhilfe sorgen. Die vier Buslinien sollen durch die Spielberggasse fahren, die ansonsten nur Anliegerverkehr aufnehmen soll. Die Lenneper Straße soll im Bereich Autobahn durch neue Markierungen dreispurig werden. Zu den Themen Lärm- und Luftbelastung führte Herr Dr. Weinert, der ebenfalls für Brilon – Bondzio – Weiser arbeitet, aus, dass es an einigen Stellen zunächst zu Lärmgrenzwertüberschreitungen kommen könnte. Dem werde durch den Einbau von Flüsteraspahlt und Lärmschutzfenstern entgegen gewirkt. Die Schadstoffbelastung der Luft sei an manchen Stellen nur im Bereich der Fahrbahn problematisch. Schon die Gehwege wiesen akzeptable werte auf, an den Fassaden seien keine Probleme zu erwarten.

Doch nicht nur Fachleute, auch die BürgerInnen kamen zu Wort. Zunächst hatten die organisierten Gegner und Befürworter die Gelegenheit dazu.

_MG_9621_(c)MichaelSchadPeter Lange bescheinigte der Stadt mit der vorgelegten Planung eine „städtebauliche Bankrotterklärung“. Schon die Übertragung des Abstimmungsergebnisses zum damals geplanten DOC Blume hält die Gruppe für unzulässig und erwartet von den demokratischen Parteien am Donnerstag ein kalres Votum für einen erneuten Bürgerentscheid. Die Planungen, in Wuppertal ein Factory Outlet Center zu errichten, machten die für Remscheid getroffenen Prognosen hinfällig.

_MG_9628_(c)MichaelSchadAus Sicht der Befürworter kritisierte Martin Gerhadts, dass diejenigen die sonst kritisieren, es werde nicht getan, jetzt wieder meckern. Es wird gefordert, eine Expertengruppe mit dem „Drumherum“ zu befassen. Dem Oberbürgemeister konnte er dazu ein Kopfnicken abringen.

In zahlreichen Fragen formulierten BürgerInnen ihre Sorge um die zusätzlichen Verkehrs-, und damit verbunden Lärm- und Luftbelastungen. Angesprochen auf die Vermietungsquote verwies Henning Balzer als Sprecher des Investors auf das bestehende Center in Roermond. Der dortige Markenmix könne eine Orientierung bieten. Auch die Architektur des DOC und des Parkhauses werfen Fragen auf und geben Anlass zur Besorgnis. Ein bergsiches Dorf „im Zuckerbäckerstil“ sei aus stadtgestalterischen und denkmalrechtlichen Gründen nichtzu realisieren, entgegnet Sigrid Burkhart.

Nun liegt es zunächst an den politischen Gremien im Rathaus, zu entscheiden. Sollten sie der Verwaltungsvorlage folgen, kommen die Bürger ins Spiel. Den Ball sollten sie dann aufnehmen.

 


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